Als ich mit 27 Jahren meinen ersten Herzinfarkt hatte, wurde mein Leben von einem auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt. Dabei wollte ich nur Reifen aus dem Keller holen. Als ich langsam wieder zur Ruhe kam, traten Schmerzen im Arm, Schweiß-Ausbrüche und Todesangst auf.
Nach einem kurzen Aufenthalt im örtlichen Krankenhaus, wurde ich mit Blaulicht und Notarzt in die Uni-Klinik gefahren. Dort wurden insgesamt 7 Stents gesetzt. Nach der folgenden dreiwöchigen Reha wurde ich nach Hause entlassen - wieder arbeitsfähig. Mitnichten.
Es sollte noch ein Jahr dauern, bis ich wieder Vertrauen in meinen Körper, in mein Herz fand. Überfordert mit zahlreichen Medikamenten, den teilweise heftigen Nebenwirkungen und der Angst vor einem neuen Herzinfarkt, wurde ich depressiv und vermied jegliche körperliche Anstrengung.
Ich fing an, mich mit den Faktoren zu beschäftigen, die mutmaßlich zu dem Herzereignis geführt haben: Sehr hoher Cholesterinspiegel, Ernährungsgewohnheiten, Stressfaktoren, Übersäuerung des Herzmuskels. Ich fand meinen eigenen, individuellen Weg, mit der Krankheit umzugehen und verzichte fortan auf alle Medikamente.
Mein Kardiologe: Wenn Sie ihren Cholesterinspiegel nicht in den Griff bekommen, werden Sie keine 35 Jahre alt.
23 Jahre später, mit Ende 50, traf mich ein erneuter Herzinfarkt. Dieses Mal musste ich über 50 Min. reanimiert werden. Zwei Herzkranzarterien waren zu 100% verschlossen, die 3. zu 70%. Nach einer 7-stündigen Bypass-Operation, folgte wieder eine 3-wöchige Reha.
Dieses Mal war anders. Weder spürte ich die "typischen" körperlichen Anzeichen meines Herzinfarktes, noch fiel ich danach in ein depressives Loch.
Im Vergleich zum ersten Mal, stellte ich mir jedoch dieses Mal wichtige, existenzielle Fragen, unter anderem:
- Was will ich wirklich in meinem Leben?
- Lebe ich ein Leben ausgerichtet an meinen Werten?
- Welche Bedürfnisse habe ich die letzen Jahrzehnte vernachlässigt?
- Wie häufig lebe ich im Moment, statt in der Vergangenheit oder in der Zukunft?
Ich habe früh gelernt, zu funktionieren und die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Nicht etwa, weil ich es wollte, sondern weil die äußeren Umstände mich dazu gezwungen haben. Jahrelang habe ich gar nicht gemerkt, dass ich mir die Frage "Was will ich eigentlich?" nie wirklich gestellt hatte.
So entschied ich mich, mein gesamtes Leben auf den Prüfstand zu stellen und auch teilweise schmerzhafte Entscheidungen zu treffen: Lebensort, Partnerschaft, Arbeit, soziales Netzwerk, Materielles.
Ein wesentlicher Baustein, um wieder Herzvertrauen zu gewinnen, war die Bearbeitung psychologischer Einflussfaktoren auf meine Herzgesundheit: Stressbewältigung, Denkmuster und Überzeugungen, Bindungs- und Entwicklungstraumata.
Im Ergebnis habe ich mein Leben neu ausgerichtet und dabei eine Balance zwischen Achtsamkeit und Lebensfreude sowie zwischen medizinischer Notwendigkeit und persönlicher Sinnhaftigkeit gefunden.
Heute unterstütze ich Menschen mit einer Herzerkrankung, nicht nur Belastungen zu reduzieren, sondern gezielt positive Emotionen, Hoffnung und Sinnhaftigkeit und Lebensqualität zu fördern. Die Arbeit mit Stärken, Werten, Zielen, Dankbarkeit, Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und positiven Zukunftsbildern unterstützt meine Klienten dabei, trotz der Erkrankung Handlungsspielräume zu erleben und ihre Identität nicht ausschließlich über die Krankheit zu definieren.
Meine Rolle dabei ist begleitend, strukturierend und stärkend.
Wenn du jetzt das Gefühl hast, ich könnte dich bei deinem Weg unterstützen, dann lass uns sprechen.
Mein Hintergrund
- Lizenzierter persolog® Trainer
- Systemische Coaching-Ausbildung
- Life-Design Coaching nach der Stanford Methode
- 2-jährige integrative Therapie-Ausbildung mit Schwerpunkt Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT)
- 1-jährige lehrtherapeutische Ausbildung
- regelmäßige Supervision und Weiterbildung, aktuell mit dem VISTEMA® Systembrett
- Über 20 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Rollen